Im Laufe unseres Lebens können wir durch Unfälle oder degenerative Prozesse Zähne verlieren. Was früher zu Zahnlosigkeit geführt hat, ist heute kein Drama mehr – dank der Implantologie. Ein kleiner, stabiler Pfosten aus Titan oder Keramik wird dabei anstelle der fehlenden Zahnwurzel in den Kieferknochen gesetzt und fungiert als Stütze für den neuen Zahn. Um mich auf diese bewährte Behandlungsmethode zu spezialisieren, habe ich bereits während des Studiums die Weiterbildung bei der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Implantologie (DGZI) mit der Hilfe eines Stipendiums für die besten fünf Prozent meines Studienfaches begonnen und als jüngster Absolvent 2013 abgeschlossen. Den Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie habe ich von der DGZI als jüngster Zahnarzt überhaupt im Jahr 2016 verliehen bekommen.
Ob eine Einzelzahnlücke gefüllt werden soll, mehrere oder gar alle Zähne fehlen: Fast jede Indikation kann mittels Implantologie behandelt werden. Voraussetzung ist allerdings ein ausreichend hoher und breiter Kieferknochen. Wenn es durch alters- oder krankheitsbedingten Knochenabbau nicht möglich ist, Implantate darin stabil zu verankern, müssen Betroffene dennoch nicht auf eine Implantation verzichten – sie brauchen nur etwas mehr Geduld. In diesem Fall sind im Vorfeld der Implantation verschiedene Methoden des Knochenaufbaus möglich. Zum Beispiel lässt sich die Kieferhöhle anheben (Sinuslift) und mit körpereigenem, organischem oder künstlichem Knochenersatzmaterial auffüllen, um so die erforderliche Knochendicke zu erreichen. Ist der Kieferknochen zu schmal, können Eigenknochen oder Knochenersatzmaterial seitlich an ihm befestigt werden (lateraler Knochenaufbau), damit nach einer Einheilphase der Kieferknochen breit genug für den Eingriff ist. Methode und Material richten sich nach der individuellen Mundsituation und den Wünschen des Patienten. Nach drei bis sechs Monaten ist der Knochenersatz fest eingeheilt und die Implantate können gesetzt werden.
Seit mehr als 40 Jahren werden in der Zahnmedizin Implantate aus Titan eingesetzt. Sie sind langlebig und stabil – man kann also von einer Erfolgsgeschichte sprechen. Obwohl reines Titan im Vergleich zu anderen Metallen immunologisch sehr gut verträglich ist, gibt es jedoch einige wenige Patienten, bei denen ein herkömmliches Titanimplantat eine immunologische Fehlantwort des Körpers provoziert. Wenn man sich davor schützen möchte, kann man einen Bluttest machen, um herauszufinden, ob Abwehrzellen auf Titanimplantate mit einer Abstoßungsreaktion antworten. Bei rein keramischen Implantaten sind keine Abwehrreaktionen der körpereigenen Zellen bekannt. Sie bestehen zudem aus fast weißem Zirkonoxid. Selbst bei Implantaten in der Frontzahnreihe fällt dem Betrachter nicht auf, dass Zahnersatz vorhanden ist, weil keine Metallränder durchschimmern können. Was jedoch neben der langen klinischen Erfahrung, kurzer Einheilungszeit, der großen mechanischen Belastbarkeit und einer sehr guten Verwachsung mit dem Knochen bei der Materialauswahl für Titan spricht, sind die Kosten. Meist ist eine Versorgung mit Titan deutlich günstiger als mit Keramik.
Bis das Zahnimplantat stabil im Kieferknochen eingewachsen ist, dauert es in der Regel zwischen sechs und zwölf Wochen. Danach können an der künstlichen Wurzel einzelne Kronen, mehrgliedrige Brücken oder herausnehmbare Prothesen befestigt werden. 98 Prozent der Patienten sind laut einer in Deutschland durchgeführten Umfrage „glücklich“ oder „sehr glücklich“ mit ihren Dentalimplantaten. Damit diese Quoten erreicht werden können, braucht jeder Patient das Implantat, das zu ihm passt.
Implantate können aussehen wie kleine Schrauben.
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