Von Dr. med. Jürgen Krieg, Ärztlicher Leiter am Kinderwunschzentrum Amberg-Sulzbach
Unerfüllter Kinderwunsch: Warum ausgerechnet wir?

Dr. med. Jürgen Krieg
Dr. med. Jürgen Krieg

Schwanger zu werden gilt gemeinhin als etwas Selbstverständliches, und in aller Regel beschäftigt sich die große Mehrheit in jungen Jahren vordringlich mit dem Problem, wie eine Schwangerschaft verhindert werden kann. Der Gedanke, dass man als Paar später unter unerfülltem Kinderwunsch leiden könnte, ist im jugendlichen Alter nicht präsent. Im Verlauf der Jahre müssen viele Menschen dann leidvoll erkennen, dass eine Selbstverständlichkeit leider nicht für alle selbstverständlich ist: Nach aktuellen Zahlen wartet jedes siebte Paar in Deutschland vergeblich auf einen positiven Schwangerschaftstest. Dies bezieht sich nicht allein auf das erste Kind, sondern auch auf nachfolgende Kinder.

Daten, Fakten, Chancen

Ungewollte Kinderlosigkeit oder eingeschränkte Fruchtbarkeit liegt bei einem Paar vor, wenn trotz Kinderwunsches und regelmäßigem ungeschützten Geschlechtsverkehrs nach einem Jahr keine Schwangerschaft eingetreten ist. Der unerfüllte Kinderwunsch ist ein Problem, das beide Partner betrifft. Die Gründe sind vielfältig: Organische Ursachen, aber auch seelische und berufliche Gründe, das Alter der Frau, die Lebensweise mit Ernährung, Alkohol und Zigaretten sowie Umweltfaktoren haben einen entscheidenden Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Die organischen Ursachen werden jeweils zu 40 Prozent beim Mann wie bei der Frau diagnostiziert. In 20 Prozent der Fälle liegt die Kinderlosigkeit an beiden Partnern.

Fortschritt, Beratung, Vertrauen

Der medizinische und technische Fortschritt kann Paaren helfen, die ungewollt kinderlos bleiben. Als erster Behandlungsschritt empfiehlt sich die Zyklusbeobachtung durch Ultraschall- und Blutuntersuchungen, die den optimalen Zeitraum für die Befruchtung ermittelt. Durch Hormonbehandlungen normalisiert sich der Hormonhaushalt, so dass eventuell eine natürliche Befruchtung möglich werden kann. Führen diese Behandlungen nicht zum gewünschten Erfolg, verfügt die Reproduktionsmedizin über verschiedene Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung. Die Chancen, Risiken und Nebenwirkungen müssen im Einzelfall geprüft werden und vertrauensvoll besprochen werden.

Die Kinderwunschbehandlung IVF

Die In-Vitro-Fertilisation (IVF) oder Reagenzglasbefruchtung gilt als das bekannteste Verfahren in der Reproduktionsmedizin. Seit der Geburt des ersten IVF-Wunschkinds Louise in England im Jahr 1978 ist diese Methode kontinuierlich weiterentwickelt worden. Vereinfacht dargestellt besteht diese Kinderwunschbehandlung aus sieben Schritten:

  • Förderung der Eizellreifung
  • Kontrolle der Eizellreifung
  • Auslösen des Eisprungs
  • Operativer Eingriff zur Eizellgewinnung
  • Samengewinnung und Samenaufbereitung
  • Befruchtung der gewonnenen Eizellen und Heranwachsen der Embryonen
  • Übertragung des Embryos bzw. der Embryonen

Kinderwunsch - Eine Frage der Finanzen?

Wer genügend Geld hat, kann seine Chancen auf ein Baby steigern. Verkürzt dargestellt, ist das leider der momentane Sachstand. Die gesetzlichen Krankenkassen finanzieren derzeit 50 Prozent - allerdings nur für maximal drei Behandlungen. Diese Kostenbeteiligung ist aber an einige Bedingungen geknüpft. Das Paar muss verheiratet sein, und beide Partner müssen älter als 25 Jahre alt sein. Die Frau darf nicht über 40 Jahre alt sein, der Mann nicht über 50 Jahre. Ledige Paare und Zweierbeziehungen, bei denen ein Partner aus der Altersgrenze fällt, sind ausgenommen. Zudem ist die Unterstützung von Bundesland zu Bundesland verschieden. Würden Betroffene mehr Druck auf Bund und Länder ausüben, müsste die Politik zu Gunsten von Kinderwunschpaaren endlich reagieren.

Tabuthema in der Gesellschaft

Unerfüllter Kinderwunsch ist kein seltenes Phänomen, sondern kommt häufig vor, unter anderem weil auch das Alter der Mutter ausbildungsbedingt steigt. Mit dieser Problematik wird allerdings nicht offen umgegangen, da es sich immer noch um ein Tabuthema handelt. Die biologische Unfähigkeit, Kinder zu bekommen, gilt weiterhin als Makel, deshalb ist die Inanspruchnahme medizinischer Hilfe häufig mit großer Scham behaftet. In einem durchschnittlichen Bekanntenkreis finden sich aller Wahrscheinlichkeit drei bis vier Paare mit der gleichen Problematik - aber niemand redet darüber. Eher wird viel Kraft auf Geheimhaltung und Heimlichtuerei verwendet statt sich gegenseitig Mut zu machen und sich zu unterstützen.



MVZ Gynäkologisches Zentrum Amberg-Sulzbach

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Beschreibung

Kinderwunschzentrum Amberg
  • Sterilitätsdiagnostik und -therapie
  • Diagnostik und Therapie hormoneller Störungen
  • Hormontherapie
  • Reproduktionsmedizin
  • Intrauterine Inseminationen

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im Klinikum St. Marien Amberg, Mariahilfbergweg 7
92224 Amberg
Telefon 9621 381519

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