Selbst gehen trotz Querschnittslähmung

Seit genau fünf Jahren ist das motorisierte Exoskelett in Deutschland als Medizinprodukt zugelassen. Mit seiner Hilfe können Querschnittsgelähmte wieder gehen. Mein Mitarbeiter, Physiotherapeut Marcus Simon, hat 2019 einem der ersten Exoskelett-Läufer auf die Beine geholfen.

Das Exoskelett: die Stütze von außen

Das Gerät, das den Paraplegikern (Querschnittsgelähmten) wieder einen aufrechten Gang ermöglichen kann, besteht aus einem Rahmen mit mehreren Gelenken, die den Hüft-, Knie- und Fußgelenken des menschlichen Körpers entsprechen. Es ist etwa 25 Kilogramm schwer. An den Gelenken befinden sich aufgesetzte Antriebsmotoren, die den Körper in Gang setzen. Zahlreiche Sensoren sammeln Informationen über die gewünschten Bewegungen des Trägers. Diese werden an einen Computer weitergeleitet, der sie analysiert und die Bewegungsabläufe steuert. Betrieben wird das Exoskelett von Batterien, die neben dem Computer in einem Rucksack untergebracht werden. Die Energie reicht für mehrere Stunden aus. Mit einer Fernbedienung am Handgelenk, die aussieht wie eine Sportuhr, können verschiedene Programme eingestellt werden: „Sitzen“, „Stehen“, „Gehen“ und sogar „Treppensteigen“.

Die Voraussetzungen

Das Exoskelett ist entwickelt für Personen mit Behinderungen der unteren Gliedmaßen, die sich mit den Händen und Schultern auf Unterarmgehstützen oder einer Gehhilfe abstützen können. Die Träger sollten eine Körpergröße zwischen 160 und 190 Zentimetern haben. Auch die Beinlänge muss passen: Hier sind Unterschenkellängen von 43,5 bis 56 Zentimeter und Oberschenkellängen von 36 bis 48,5 Zentimeter Voraussetzung. Das Gewicht des Patienten darf bis zu 100 Kilogramm betragen. Auch andere Faktoren wie Knochendichte und Bewegungsumfang müssen berücksichtigt werden. Ob das Training mit dem Exoskelett möglich und sinnvoll ist, eruieren wir von Physio-Vital gemeinsam mit den behandelnden Ärzten und dem Patienten.

Die richtige Vorbereitung

Sind die körperlichen Voraussetzungen erfüllt, müssen noch weitere Bedingungen gegeben sein, damit der Betroffene am Ende tatsächlich wieder mit Hilfe des Exoskeletts auf eigenen Füßen stehen kann: Die Therapeuten von Physio-Vital verfügen dank spezieller Schulungen über das notwendige Fachwissen im Umgang mit dem Gerät. Als Vorbereitung auf das Tragen des Exoskeletts sorgen wir dafür, dass die Beine beweglich bleiben und kräftigen den Oberkörper mit gezielten Übungen, damit er den zukünftigen Anforderungen gewachsen ist.

Mut und Ehrgeiz

Der Patient selbst muss vor allem Mut, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen mitbringen. Wie beim Fahrradfahren als Kind muss man alles lernen. Der Patient fährt mit seinem Rollstuhl neben das auf einem Stuhl vorbereitete Exoskelett. Er hievt sich in das Gestell. Zuerst werden die am Gerät befestigten Schuhe angezogen, dann Gurte an den Beinen und am Bauch befestigt. Ist der Patient bereit, aufzustehen, wird auf Knopfdruck in den Stehmodus umgeschaltet und der Patient erhebt sich.

Auf Augenhöhe mit den Mitmenschen

Als Träger eines Exoskeletts wird man nie ein Sprinter werden und auch weiterhin oft im Rollstuhl sitzen. Man braucht zusätzlich zum Gestell zwei Krücken und bewegt sich langsamer als normale Fußgänger. Aber: Man gewinnt im Optimalfall die Fähigkeit, wieder alleine leben zu können, und kann seinen Mitmenschen endlich wieder auf Augenhöhe begegnen. Außerdem kann die aufrechte Haltung Rückenschmerzen und Verdauungsprobleme lindern sowie Blasenentzündungen vorbeugen.

Selbst gehen trotz Querschnittslähmung (4 Einträge)

 


Physio Vital

Physio Vital

Beschreibung

Physiotherapie
  • Osteopathie (Erwachsene/Säuglinge)
  • Atlas-Therapie
  • Spezielle Kiefergelenksbehandlung
  • Krankengymnastik auf neurologischer Basis (Bobath/PNF)
  • Atemtherapie speziell bei Mukoviszidose

Physio Vital

Kontakt

Kolbstraße 2
94315 Straubing
Telefon 09421 960600
Fax 09421 960602

Anzeige