Von PD Dr. Johannes Benninger, Dr. Michael Weidenhiller, Prof. Dr. Cornelia Gelbmann, PD Dr. Claudia Ott und Markus Sander
Darmkrebs: Früh erkannt, Gefahr gebannt

Darmkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung in der Bundesrepublik. Dennoch hat die Krankheit auch ihre guten Seiten: Man kann mit einfachen Mitteln viel tun, um keinen Darmkrebs zu bekommen. Und frühzeitig erkannt lässt sich die Krankheit gut heilen. Lesen Sie hier, wie Vorsorge und Früherkennung von Darmkrebs funktionieren.

Was jeder selbst tun kann

Wie so oft in der Prävention ist es auch in der Darmkrebsvorsorge: die Theorie ist einfach, die Umsetzung fällt vielen Menschen schwer. Dies sind sechs Tipps des deutschen Krebsforschungszentrums, wie Sie vorbeugen können:

  1. Bewegen Sie sich regelmäßig.
  2. Vermeiden Sie Übergewicht.
  3. Achten Sie auf ausreichend Ballaststoffe aus Getreideprodukten und Gemüse.
  4. Essen Sie wenig rotes Fleisch oder verarbeitete Fleischprodukte (etwa Wurst).
  5. Meiden Sie Tabak.
  6. Begrenzen Sie Ihren Alkoholkonsum.

Wir raten davon ab, vorbeugend Medikamente wie ASS und Aspirin gegen Darmkrebs zu nehmen. Dasselbe gilt auch für den Konsum von Vitaminen und Mineralstoffen in Form von Nahrungsergänzungsmitteln. Auch Menschen, die all diese Ratschläge beherzigen, können trotzdem an Darmkrebs erkranken - nur ist das weniger wahrscheinlich.

Der wichtigste Vorsorge-Teil: Gehen Sie zum Arzt

Für jeden in Deutschland Versicherten ab dem 50. Geburtstag zahlen die gesetzlichen Krankenkassen Früherkennungsuntersuchungen für Darmkrebs. Menschen mit familiärer Vorbelastung sollten bereits früher in die Praxis kommen, um sich über die Krebsvorsorge beraten zu lassen. War z.B. ein erstgradig Verwandter zum Zeitpunkt der Erkrankung 40 Jahre alt, sollten seine Kinder oder Geschwister spätestens mit 30 Jahren eine Darmspiegelung durchführen lassen, also zehn Jahre früher.

So geht Früherkennung

Zum Darmkrebs-Früherkennungsprogramm gehören in Deutschland ein Stuhltest auf unsichtbares Blut und die Koloskopie, besser bekannt unter dem Namen Darmspiegelung. Die Stuhluntersuchungen zahlen die Krankenkassen ab dem 50. Lebensjahr. Weil Tumore und deren Vorstufen, die Darmpolypen, häufig geringe Mengen von Blut absondern, kann Blut im Stuhl ein erstes Warnzeichen bei Darmkrebs sein. Patienten, bei denen okkultes Blut im Stuhl gefunden wird, sollten sich aber nicht gleich verrückt machen: Die versteckte Blutung kann auch andere, harmlose Ursachen haben.
Die Dickdarmspiegelung, die von den Kassen ab dem 55. Lebensjahr präventiv übernommen wird, ist deutlich effektiver als ein Stuhltest. Das Besondere an dieser Früherkennungsuntersuchung ist: Hier kann Darmkrebs in seiner Vor- oder Frühform nicht nur erkannt, sondern gleichzeitig geheilt werden.

Die Darmspiegelung vorbereiten

War eine Darmspiegelung früher noch unangenehm und oft mit Schmerzen und einem Blähbauch verbunden, geschieht sie heute relativ schmerzfrei, risikoarm und ohne nennenswerte Nachwirkungen. Nur die Vorbereitung verlangt dem Patienten etwas Disziplin ab. In den Tagen vor der Koloskopie müssen vom Arzt vorgegebene Ernährungsregeln strikt eingehalten werden. Außerdem wird der Darm, meist durch Trinken einer abführenden Lösung, vollständig entleert. Angst, etwas falsch zu machen, braucht aber niemand zu haben. Alle Vorbereitungsmaßnahmen werden dem Patienten im Vorgespräch erklärt und schriftlich mitgegeben.

Koloskopie: schonend und effizient

Die Darmspiegelung wird in der Regel unter leichter Narkose oder nach Gabe von Beruhigungsmitteln durchgeführt, so dass der Patient davon gar nichts bis wenig merkt. Bei dem endoskopischen Verfahren wird ein dünner, biegsamer Schlauch mit einer Kamera durch den After eingeführt. Das Endoskop sendet seine hochauflösenden Bilder aus dem Inneren des Darms an einen Computer, sodass der Gastroenterologe am Bildschirm genau sehen kann, wie die Darmschleimhäute aussehen. Nicht sedierte Patienten können die etwa 20 Minuten dauernde Untersuchung am Monitor ebenfalls verfolgen.

Polypen, die Krebsvorstufen

Der untersuchende Arzt achtet bei der Koloskopie besonders auf Wucherungen des Gewebes im Darm. Sogenannte Adenome, eine Polypen-Art der Schleimhaut, werden nach ihrer Entdeckung postwendend entfernt. Dazu führt der Arzt winzige Instrumente durch den Schlauch ein. Die starke optische Vergrößerung des Endoskops ermöglicht ihm millimetergenaue Eingriffe im Darminneren.
Lassen sich alle Adenome - mögliche Vorstufen bösartiger Karzinome - vollständig entfernen, ist die Darmkrebsgefahr fürs erste gebannt, denn Darmkrebs entwickelt sich meist im Lauf einiger Jahre aus zuvor gutartigen Polypen. Allerdings sollte die Darmspiegelung dann - abhängig von der feingeweblichen Untersuchung - in einem gewissen Zeitraum, meist nach drei bis fünf Jahren, wiederholt werden. Sind Adenome vorhanden, die nicht komplett entfernt werden können, entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe und lässt sie mikroskopisch untersuchen. Selbst wenn diese Untersuchung ergibt, dass das Adenom bereits bösartige Zellen gebildet hat, stehen die Chancen gut: Etwa neun von zehn Patienten mit der Diagnose Darmkrebs können geheilt werden, wenn die Krankheit im Frühstadium erkannt wird.

Sichtbarer Erfolg der Darmkrebs-Vorsorge

Obwohl die Deutschen immer älter werden und häufiger übergewichtig sind, sinkt die Zahl der Neuerkrankungen ebenso wie die Sterberate. Laut Statistik des Zentrums für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut sind die altersstandardisierten Sterberaten bei beiden Geschlechtern zwischen 2004 und 2014 um mehr als 20 Prozent gesunken. In einer Studie (GEDA 2014/2015-EHIS) gaben 57 Prozent der Männer und 61 Prozent der Frauen ab 55 Jahren an, dass sie sich im selben Zeitraum einer Darmspiegelung unterzogen hatten. Das Robert Koch-Institut sieht einen direkten Zusammenhang: "Diese Entwicklung wird auch als positive Folge der Früherkennungskoloskopie gewertet, die im Jahr 2002 eingeführt wurde."
Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) kann durch die Vorsorge-Darmspiegelung "die Mehrzahl der Fälle von Darmkrebs verhindert werden". Eine DKFZ-Studie von 2017 ergab außerdem, dass es bei der Vorsorge-Koloskopie sehr selten zu Komplikationen kommt (0,38 Prozent der Fälle) und auch das nur, wenn dabei fortgeschrittene Krebsvorstufen oder bösartige Tumoren entfernt werden.

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