Von Dr. Florian Thein, Facharzt für Urologie
Bei Blasenproblemen ist nicht immer die Prostata schuld

Es gibt zahlreiche Beschwerden, die mit der Harnspeicherung und der Blasenentleerung zusammenhängen. Für Blasenentleerungsstörungen aller Art hat sich seit 15 Jahren die Bezeichnung "Lower Urinary Tract Symptoms" oder auch kurz LUTS etabliert. Aber nicht immer ist die Prostata schuld an den Störungen. Die Größe der Prostata allein besitzt noch keinen Krankheitswert! Manche Männer mit wirklich großen Vorsteherdrüsen haben keinerlei Beschwerden beim Entleeren ihrer Blase, manche Männer mit einer kleinen Prostata haben aber durchaus Probleme, ihre Blase zu entleeren. Zwischen dem Volumen der Vorsteherdrüse und einer obstruktiven (hemmenden) oder auch irritativen Blasenentleerung besteht also kein direkter Zusammenhang.

In Zahlen ausgedrückt: In einer groß angelegten Studie klagten im Jahr 2006 62,5 Prozent der 7.454 befragten Männer über 18 Jahren über LUTS-Probleme. Der Anteil an Blasenspeicherstörungen war mit 51,3 Prozent doppelt so hoch wie die Probleme einer Blasenentleerung - etwa Startschwierigkeiten, ein unterbrochener und auch abgeschwächter Harnstrahl. Probleme nach der Blasenentleerung, wie das Gefühl einer unvollständigen Entleerung oder störendes Nachträufeln, traten bei etwa17 Prozent der Männer auf.

Was bei männlichen LUTS-Symptomen zu tun ist

Neben der Anamnese mit gezielten Fragestellungen nach den exakten Beschwerden gehört zur Grunduntersuchung der International Prostata Symptomenscore (IPSS), der schwerpunktmäßig Probleme mit der Entleerung sowie die Lebensqualität abgefragt. Bei Speichersymptomen sollte deshalb zusätzlich ein Blasentagebuch (Miktionsprotokoll) über mehrere Tage erfolgen - inklusive Angabe der Trinkmenge, der einzelnen Harnportionen und des Harndrangs. Um mögliche andere Ursachen wie Infekte, Harnsteine, Fremdkörper und auch Tumoren auszuschließen, sind eine Untersuchung des Harns (Urinstatus) und eine Ultraschalluntersuchung des gesamten Harntrakts notwendig. Die Bestimmung des Blasenentleerungsvermögens durch das Messen des Restharns ist in diesem Zusammenhang unverzichtbar. Als ergänzende Untersuchungen empfehlen sich die Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) und der Harnstrahlstärke (Uroflow). Als therapeutische Maßnahmen kommen zum einen das Abwarten und gegebenenfalls eine Änderung der Trinkgewohnheiten infrage, zum anderen eine medikamentöse Behandlung mit Alphablockern. Diese bessern sowohl Entleerungs- als auch Speicherstörungen: Sie reduzieren die Beschwerden (gemessen am IPSS) um 35 bis 40 Prozent und verstärken den Harnstrahl um 20 bis 25 Prozent. Ihre Wirkung ist unabhängig von der Prostatagröße. Alphablocker beeinflussen nicht die Größe der Prostata oder das Risiko, einen Harnverhalt zu bekommen.

Der Weg zur kleineren Prostata

Verantwortlich für das Prostatawachstum ist das Hormon Dihydrotestosteron. Es entsteht im Prostatagewebe durch das Enzym 5-Reduktase aus Testosteron. 5-Reduktasehemmer können eingenommen werden, um eine zu große Prostata zu verkleinern. Nach sechs bis zwölf Monaten verringern sie die Größe der Vorsteherdrüse um 18 bis 28 Prozent, nach längerer Behandlungsdauer noch mehr.

Muskarinrezeptor-Antagonisten (Anticholinergika)

Diese Substanzgruppe, zugelassen zur Behandlung der überaktiven Blase (OAB), war bisher nur bei Männern ohne Blasenauslassobstruktion empfohlen worden. Inzwischen ist aber klar, dass Anticholinergika nicht nur die Kontraktilität des Detrusors bei der Entleerung der Harnblase beeinflussen, sondern auch in der Speicherphase hemmend auf die afferenten Signale im Urothel und somit auf den Harndrang wirken.

Desmopressin

Desmopressin erhöht die Reabsorption von Wasser sowie die Urinosmolalität. Die Indikation ist nächtliche Polyurie (mehr als 33 Prozent der 24-Stunden-Urinausscheidung), die anhand eines Blasentagebuchs festgestellt werden kann. Hauptnebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, abdominale Schmerzen sowie eine Hyponatriämie, die besonders bei älteren Menschen beobachtet wurde.

Kombinationstherapie

Alpha-1-Rezeptorblocker und 5-Reduktasehemmer: In großen Studien wie MTOPS (Doxazosin + Finasterid) und CombAT (Tamsulosin + Dutasterid) konnte gezeigt werden, dass unter der Kombinationstherapie die Rate von Harnverhalten und das Risiko einer Prostataoperation gesenkt wurde. Nachteil der Kombinationstherapie ist die Summation der Nebenwirkungen der beiden Substanzgruppen.

lpha-1-Rezeptorblocker + Muskarinrezeptorantagonisten:

Falls die Monotherapie keine ausreichende Besserung der LUTS-Symptome ergibt, wird diese Kombinationstherapie empfohlen. Bei Blasenauslassobstruktion sollten jedoch auf jeden Fall Restharnkontrollen im Verlauf erfolgen.

Phosphodiesterase-5-Hemmer +/- Alpha-1-Rezeptorblocker:

PDE5-Hemmer (Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil) sind aktuell nur für die Behandlung von Erektionsstörungen, beziehungsweise Sildenafil und Tadalafil auch für pulmonale arterielle Hypertonie zugelassen.

<b>Bild: Robert Kneschke - Fotolia.com </b>
Bild: Robert Kneschke - Fotolia.com


Urologie Nymphenburg - Dr. med. Florian Thein

Urologie Nymphenburg - Dr. med. Florian Thein

Beschreibung

Urologie: Schwerpunkt Diagnostik und Therapie von Inkontinenz
  • Krebsvorsorgeuntersuchungen
  • Behandlung von Tumorerkrankungen im Harn- und Genitaltrakt
  • Bakteriologische Untersuchungen
  • Laboruntersuchungen (etwa PSA-Bestimmungen und Hormondiagnostik)
  • Endoskopische Untersuchungen des Harntrakts

Kontakt

Rosa-Bavarese Straße 1
80639 München
Telefon 089 15002015
Fax 089 15923813

Anzeige