Von Dr. Frederike Schenke
MIH: Fehlentwicklung des Zahnschmelzes

Bild: Alezhano – stock.adobe.com

Wenn der Zahnwechsel ansteht, ist das für Kinder und Eltern eine aufregende Zeit. Gut, wenn alles problemlos klappt und die bleibenden Zähne gesund wachsen. Doch es kann leider auch ein anderer Fall eintreten. Schneidezähne und erste Backenzähne können schon verfärbt und porös durch den Kiefer brechen und stellen Eltern vor ein Rätsel, besonders wenn großer Wert auf Zahnpflege gelegt wurde. Die Zahnkrankheit MIH ist in der Öffentlichkeit völlig unbekannt, doch weit verbreitet: Zehn Prozent der Kinder ab sechs Jahren leiden in Deutschland unter der Zahnkrankheit mit dem komplizierten Namen Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH). Die ersten bleibenden Backenzähne (Molaren) und oft auch die bleibenden Schneidezähne (Inzisiven) haben dabei einen zu geringen Mineralgehalt. Die Folge: Der Zahnschmelz der betroffenen Zähne ist zu weich und verfärbt.

Schon der Zahn-Kontakt mit heißen oder kalten Speisen und Getränken sowie der sanfte Druck einer Zahnbürste tut den jungen Patienten wirklich weh. Das macht sie leicht zu schlechten Essern und führt zu mangelnder Zahnhygiene.

Vorbeugung ist nicht möglich

Eltern, deren Kinder mit schmerzenden, dreckig aussehenden Zähnen in die Praxis kommen, haben oft ein schlechtes Gewissen – selbst wenn sie alles für die Zahngesundheit ihrer Kinder getan haben: gesunde Ernährung, gute Zahnpflege. Gegen MIH hilft das alles nicht. Selbstvorwürfe sind also fehl am Platz.

Die Ursachen des weltweit auftretenden Phänomens sind bisher ungeklärt. Zumindest der Zeitpunkt, an dem die Fehlentwicklung ursprünglich entsteht, kann aber eingegrenzt werden: Der Schmelz der betroffenen Zähne bildet sich zwischen dem achten Schwangerschaftsmonat und dem dritten Lebensjahr. Unter Verdacht der Forschung stehen daher bisher pränatale Faktoren wie eine Erkrankung der Mutter im letzten Schwangerschaftsdrittel, außerdem Frühgeburten sowie ein zu geringes Geburtsgewicht. Gendefekte, die Dioxinaufnahme aus der Muttermilch, Bisphenol A aus Nuckelflasche oder Sauger sowie die Antibiotika-Einnahme bei Atemwegsinfekten sind weitere Verdächtige.

Schmerzende, bröckelige Zähne

Die genaue Symptomatik der Mineralisierungsstörung hängt von der Stärke der Erkrankung ab. In leichten Fällen sind nur die betroffenen Zähne cremig weiß bis bräunlich verfärbt. Als nächste Stufe kommt die starke Temperatur- und Berührungsempfindlichkeit hinzu. Stark betroffene Zähne sind so weich und porös, dass sie schon unter Kaubelastung anfangen zu bröckeln. Wenn die Zähne bröckeln und zusätzlich das Zähneputzen schmerzt – weshalb die Kinder es dann gern verweigern – ist Karies natürlich vorprogrammiert, falls keine Maßnahmen ergriffen werden.

Was tun bei MIH?

Grundsätzlich gilt: Beim ersten Verdacht auf MIH sollten Eltern ihr Kind möglichst bald zum Zahnarzt begleiten. Beheben lässt sich der Zahnschmelzdefekt zwar nicht, aber die Symptome sollten dennoch frühzeitig behandelt werden, um den Schaden so gering wie es geht zu halten und stärkere Schmerzen zu vermeiden.

Sind die Zähne nur verfärbt, schmerzen aber nicht, besteht kein unmittelbarer Behandlungsbedarf. Bei diesen Kindern ist eine engmaschige Kontrolle wichtig. Die Zähne müssen im Rahmen eines Intensivprophylaxeprogramms regelmäßig fluoridiert werden. Die Härtung des MIH-Zahns ist notwendig, weil dessen Schmelz lediglich ein Zehntel der Härte des normalen Zahnschmelzes besitzt. Werden Kinder wegen ihrer verfärbten Zähne gehänselt und leiden darunter, ist auch eine ästhetische Behandlung möglich.

Härten, versiegeln oder ziehen

Zähne, deren Schmelzoberfläche bereits eingebrochen ist, die berührungs- und temperaturempfindlich sind, müssen selbstverständlich sofort behandelt werden. Schließlich leiden die betroffenen Kinder unter starken Schmerzen. Die MIH-Zähne werden als Schutz vor Karies entweder versiegelt oder mit einem Komposit abgedeckt. Die Schutzschicht macht die behandelten Zähne zusätzlich gegenüber Hitze und Kälte sowie Berührungen unempfindlicher.

Bei sehr weit fortgeschrittener MIH hilft keine Schutzschicht mehr. In Extremfällen sind die kranken Backenzähne und Schneidezähne bereits käseweich, porös und bröckelig, wenn sie durchs Zahnfleisch stoßen. Hier bleibt keine Wahl: Diese Zähne müssen entfernt und anschließend im Rahmen einer kieferorthopädischen Behandlung ersetzt werden.

Behandlung von Schmerzpatienten

Kindern mit stark schmerzempfindlichen Zähnen tut natürlich auch die Behandlung besonders weh. Die gängigen Lokalanästhetika wirken oft nicht stark genug und die Kinder haben trotz lokaler Betäubung große Schmerzen. Daher kann es sinnvoll sein, die jungen Patienten nicht im wachen Zustand zu behandeln.

Bei der Lachgas-Sedierung gleiten die Kinder in einen angenehmen Dämmerzustand, sind aber weiterhin bei Bewusstsein und in der Lage, mit der behandelnden Zahnärztin zu kooperieren. Für kurze Behandlungen ist auch ein stärker wirkendes Narkosegas-Sauerstoffgemisch, das durch einen erfahrenen Anästhesisten verabreicht wird, gut geeignet.

Für lange, sehr schmerzhafte Behandlungen empfehlen wir die ebenfalls von unserem Anästhesisten betreute, kindgerechte Vollnarkose. Der Vorteil: Hierbei werden alle behandlungsbedürftigen Zähne auf einmal saniert oder entfernt, um dem Kind wiederkehrende Behandlungen zu ersparen.

Fehlentwicklung des Zahnschmelzes (2 Einträge)

 


Die Kinderzahnärzte Dr. Schenke & Kollegen

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  • Behandlung von Karies und MIH

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