Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Christoph Rabl zu den verschiedenen Rechtsformen
Steuerrechtliche Besonderheiten des MVZ

Immer mehr Ärzte entschließen sich, gemeinsam mit Kollegen in Praxisgemeinschaften oder Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) zu praktizieren. Betrachtet man das MVZ näher, so ermöglicht diese Organisationsstruktur erhebliche Kosteneinsparungen und Synergien, effektives Management und professionelle Imagebildung. Je nach Rechtsform des MVZ unterscheiden sich die steuerlichen Auswirkungen erheblich. Es gilt, persönliche, wirtschaftliche, (steuer-)rechtliche und marktstrategische Gegebenheiten für den konkreten Einzelfall abzuwägen, um die richtige Rechtsform für die individuelle Situation zu finden. Ein MVZ wird häufig als Personengesellschaft in Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder als Partnerschaftsgesellschaft (PartG) oder alternativ als Kapitalgesellschaft in Form einer GmbH geführt.

Einbringung der Einzelpraxen, Gründungskosten und Kapitalbedarf 

Im Rahmen des Zusammenschlusses ist bei Gründung einer Personen- und auch einer Kapitalgesellschaft im Rahmen des Umwandlungssteuerrechts unter gewissen Voraussetzungen eine steuerfreie Einbringung einer Einzelpraxis in das neue MVZ möglich. Bei der Partnerschaftsgesellschaft und der GmbH führen die notarielle Beurkundung sowie die Eintragung in das Handels- beziehungsweise Partnerschaftsregister zu höheren Gründungskosten. Ein zwingendes Stammkapital gibt es nur bei Kapitalgesellschaften. Dieses beträgt bei einer GmbH 25.000 Euro. 

Unterschiede in der Besteuerung

Während Personengesellschaften genauso wie niedergelassene Ärzte den Gewinn vereinfacht nach dem Zu- und Abflussprinzip errechnen und eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellen können, ist bei der GmbH eine Bilanz sowie eine Gewinn- und Verlustrechnung aufzustellen. Die Bilanz muss im öffentlich einsehbaren Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Bei einer GmbH wird die Gesellschaft selbst und auch der Gesellschafter besteuert. So fallen auf Ebene der Gesellschaft Körperschaftsteuer (15 Prozent) und Solidaritätszuschlag (5,5 Prozent der Körperschaftsteuer) sowie Gewerbesteuer (circa 15 Prozent abhängig von der Gemeinde) an. Die Gesellschafter sind als Arbeitnehmer mit ihrem Arbeitslohn mit dem persönlichen Steuersatz steuerpflichtig und die ausgeschütteten Gewinne werden in der Regel mit 25 Prozent Kapitalertragssteuer sowie davon 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag belastet.  Bei der Personengesellschaft hingegen wird jeder Gesellschafter direkt mit seinem persönlichen Steuersatz besteuert und es fällt Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an. 

Unterschiede bei Haftung, Mitarbeiterbindung und Verkauf 

Für Praxisinhaber kann die Entscheidung für die GmbH aufgrund haftungsrelevanter Gründe entscheidend sein. Jedoch bietet auch die Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung eine Haftungsbeschränkung auf das Gesellschaftsvermögen. Diese zielt jedoch nur auf berufsrechtliche Schadensfälle ab, was jedoch der wichtigste Anwendungsfall bei Ärzten sein dürfte. Im Rahmen der GmbH kann man, anders als bei den Personengesellschaften, auch Mitarbeiter als Handlungsbevollmächtigte, Prokuristen oder Geschäftsführer an die Praxis binden und ihnen dadurch Führungsverantwortung übertragen.  Ein Verkauf ist bei der Personengesellschaft für den Käufer zu Beginn lukrativer, da dieser den Kaufpreis gleich zu Beginn auf mehrere Jahre verteilt von seinem zu versteuernden Einkommen abschreiben kann. Der Käufer eines GmbH-Anteils hingegen kann seinen bezahlten Kaufpreis erst bei einem Verkauf seinerseits von seinem steuerpflichtigen Verkauf abziehen. Somit werden für Anteile an Personengesellschaften in der Regel höhere Kaufpreise als für GmbH-Anteile gezahlt.

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Fazit des Vergleichs zwischen Personen- und Kapitalgesellschaft

Eine Personengesellschaft bietet durch eine Besteuerung bei Zufluss und lediglich auf Ebene des Gesellschafters steuerliche Vorteile. Sofern jedoch Haftungs- oder Mitarbeiterbindungsgründe im Vordergrund stehen, ist die GmbH vorteilhaft. Da die relevanten Entscheidungsgründe von Praxis zu Praxis unterschiedlich sind, ist eine ausführliche, individuelle Beratung durch den Steuerberater besonders wichtig. Dies sollte im engen Austausch mit Notaren, Rechtsanwälten und Banken erfolgen. 



PRP Prüll Rabl Haselbauer Partnerschaft mbB – Wirtschaftsprüfer – Steuerberater

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