Von Dr. Christoph Neumann und Dr. Silvia Zschau
Diabetes mellitus — ein Überblick

Diabetes mellitus

Es handelt sich um eine Störung im Zuckerstoffwechsel, man unterscheidet verschiedene Diabetestypen (Typ 1, 2 und 3). Bei allen kommt es aufgrund einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse zu einer unzureichenden Insulinversorgung. Dies führt zu einem Ansteigen des Blutzuckers. Liegt der Blutzucker über längere Zeit zu hoch, kann es zu Folgeerkrankungen kommen. Deshalb ist es wichtig, eine frühe Diagnose zu stellen und den Blutzucker in Abhängigkeit von Alter und Begleiterkrankungen abzusenken. Zur Behandlung stehen eine Veränderung der Lebensgewohnheiten und Medikamente zur Verfügung.

Diabetes mellitus Typ 1

Ca. 0,4 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland sind an Diabetes mellitus Typ 1 erkrankt. Damit es zu einer Erkrankung kommt, muss eine Erbanlage bestehen. Die meisten Patienten erkranken im Kindes- und Jugendalter, prinzipiell ist eine Erkrankung jedoch in jedem Alter möglich. Vor Krankheitsbeginn kommt es zu einem Angriff körpereigener Abwehrzellen auf die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse (beta-Zellen), Folge ist deren Untergang. Man spricht hier von einer Autoimmunerkrankung. Die Patienten entwickeln einen vollständigen Insulinmangel. Ohne Zufuhr von Insulin ist kein Überleben möglich.

Diabetes mellitus Typ 2

Es gibt derzeit in Deutschland ca. 6,5 Millionen Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, dies entspricht circa acht Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Damit es zu einer Erkrankung kommt, muss auch hier eine Erbanlage bestehen. Daher ist eine regelmäßige Blutzuckerkontrolle bei Kindern von Menschen mit Typ-2-Diabetes sehr sinnvoll. Die Krankheit wird zumeist zwischen dem 60. und dem 80. Lebensjahr diagnostiziert. Zunehmend sind jedoch jüngere Menschen, teils sogar Kinder betroffen. Grundlagen der Erkrankung sind eine gestörte Insulinabgabe und eine nachlassende Insulinbildung. Im Verlauf der Erkrankung geht die Insulinbildung stetig zurück, der Bedarf ist größer als das Angebot. Zusätzlich liegt meist ein schlechtes Ansprechen des körpereigenen Insulins vor. Man spricht hier von der Insulinresistenz. Diese wird begünstigt durch die Faktoren fettreiche Kost, Übergewicht und Bewegungsmangel. Darüber hinaus nimmt die Insulinresistenz mit dem Alter zu.

Diabetes mellitus Typ 3

Neben Typ 1 und 2 gibt es noch verschiedene andere Diabetesursachen. Sie werden als Diabetes mellitus Typ 3 bezeichnet. Die häufigste Ursache ist eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse bei Vorliegen von Gallensteinen oder nach langjährigem Alkoholkonsum.

Gestationsdiabetes

Beim Gestationsdiabetes handelt es sich um eine Zuckertoleranzstörung, die erstmals in der Schwangerschaft auftritt. In den meisten Fällen bildet sich ein Gestationsdiabetes nach der Geburt wieder zurück. Im weiteren Verlauf des Lebens besteht aber ein erhöhtes Risiko, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken.

Diagnose des Diabetes mellitus

Um Störungen im Zuckerhaushalt feststellen zu können, wird weltweit ein standardisierter Zuckerbelastungstest mit 75 g Traubenzuckerlösung (Glucose) durchgeführt. Am Tag der Untersuchung wird nach mindestens achtstündigem Fasten morgens der Blutzucker bestimmt. Anschließend sollte die Zuckerlösung innerhalb von 5 Minuten getrunken werden. Nach 2 Stunden erfolgt die erneute Blutzuckermessung. Die Ergebnisse zeigen, ob und wo eine Störung im Zuckerhaushalt vorliegt. Hier können entweder der Nüchternwert, der 2-Stundenwert oder beide erhöht sein. Zwischen gesund und zuckerkrank gibt es einen Bereich, der auch behandlungsbedürftig ist. Durch die richtige Therapie kann unter Umständen die Zuckerkrankheit vermieden werden.

Therapie des Diabetes mellitus Typ 1

Zur Behandlung des Typ 1 Diabetes mellitus stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Die ICT (intensiviert konventionelle Therapie) beinhaltet zwei verschiedene Insulintypen: ein Verzögerungsinsulin zur Abdeckung des Grundbedarfs und ein schnell wirksames Insulin zur Abdeckung der Mahlzeiten. Das Insulin wird in der Regel mit Hilfe einer Spritzhilfe (Pen) in das Unterhautfettgewebe an Bauch und Oberschenkel gespritzt. Mittlerweile ist die ICT die Standardtherapie des Diabetes mellitus Typ 1.
Die CSII (Kontinuierliche subcutane Insulininfusion/Insulinpumpentherapie) beinhaltet ausschließlich ein schnell wirksames Insulin. Hiermit können Grundbedarf und Mahlzeiten abgedeckt werden. Die Insulinampulle wird in die Pumpe eingesetzt. Hiermit verbunden wird ein Plastikschlauch mit einer Nadel am Ende (Katheter), die in das Unterhautfettgewebe gestochen wird. Alternative ist eine schlauchlose, sogenannte Patch-Pumpe, die auf die Haut aufgeklebt wird und direkt das Insulin ins Gewebe abgibt. Ein Motor in der Pumpe ermöglicht eine kontinuierliche Insulinabgabe, die Mengenabgabe pro Zeiteinheit kann in der Pumpe programmiert werden (Basalrate). Vor dem Essen von Kohlenhydraten kann auf Knopfdruck eine bestimmte Menge an Insulin abgerufen werden (Bolus).
Vorteile sind unter anderem die beste Nachahmung der natürlichen Insulinversorgung, keine Insulinlücken, größere Flexibilität (Essenszeiten, Sport, Zeitverschiebung) und keine mehrmals täglichen Injektionen. Nachteile sind die größere Gefahr der Stoffwechselentgleisung durch fehlendes Verzögerungsinsulin, Abhängigkeit von der Pumpe, ein dauerhafter Fremdkörper im Unterhautfettgewebe, erhöhte Infektionsgefahr im Einstichbereich, allergische Reaktionen auf Katheter oder Pflaster und technisches Versagen der Pumpe.
Eine Pumpentherapie ist anspruchsvoll, kostenintensiv und setzt ein gewisses technisches Grundverständnis voraus. Der regelmäßige Kontakt mit einem spezialisierten Zentrum ist ein Muss. Voraussetzung ist die Teilnahme an einer individuellen Schulung im Umgang mit Therapie und Fehlermanagement.

Therapie des Diabetes mellitus Typ 2

Grundlage der Behandlung ist stets eine Veränderung der Lebensgewohnheiten. Dazu gehören: Ernährungsumstellung, Vermeidung von schnellen Kohlenhydraten, fettreicher Kost und Zwischen- und Spätmahlzeiten. Bewährt haben sich nur drei kohlenhydrathaltige Mahlzeiten/Tag mit einem Abstand von mindestens 5 Stunden. Dabei sollte die letzte Mahlzeit mindestens 3 Stunden vor dem Schlafengehen gegessen werden. Außerdem sind Gewichtsreduktion und regelmäßiges Ausdauertraining von wöchentlich mindestens 180 Minuten sinnvoll. Bei Nichterreichen der individuellen Zielwerte des Zuckers, kommen Medikamente zum Einsatz. Hier stehen Tabletten, GLP-1-Analoga und oder Insulin zur Verfügung.
Die Therapiemöglichkeiten bei Typ 3 entsprechen im Wesentlichen denen des Diabetes mellitus Typ 2.

Therapie des Gestationsdiabetes

Die Therapie des Gestationsdiabetes beinhaltet zunächst eine Ernährungsumstellung, auch regelmäßige Bewegung ist wichtig. Die individuellen Zielwerte des Zuckers richten sich nach der kindlichen Entwicklung des Bauchumfangs. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Gynäkologen ist deshalb erforderlich. Bei Nichterreichen der Zielwerte wird Insulin eingesetzt.

Diabetische Folgeerkrankungen

Eine unzureichende Blutzuckereinstellung, die über Jahre andauert, führt zu Schäden an Gefäßen und Nerven. Schäden an den kleinen Gefäßen nennt man Mikroangiopathie. Betroffen sind Augen, Nieren und Nerven. Schäden an den großen Gefäßen nennt man Makroangiopathie. Betroffen sind Herz, Gehirn, Hauptschlagader, Hals- und Beingefäße. Typ 1 Diabetes betrifft vor allem kleine Gefäße, erst nach vielen Jahren können auch die großen Gefäße betroffen sein. Typ 2 Diabetes betrifft kleine und große Gefäße. Das vermehrte Auftreten von Gefäßschäden bei Typ 2 liegt am häufigen Zusammentreffen weiterer Risikofaktoren. Hierzu gehören Übergewicht, hoher Blutdruck und hohe Blutfette. Dies wird auch als metabolisches Syndrom bezeichnet. Je mehr Risikofaktoren vorliegen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, Gefäßprobleme zu entwickeln. Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall sowie ein 20-faches Risiko für eine Amputation im Beinbereich. Für den Therapeuten ist es deshalb wichtig, jeden Patienten mit Diabetes regelmäßig auf mögliche Folgeerkrankungen zu untersuchen und diese zu behandeln.



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