Von Prof. Dr. med. Hans-Hermann Klünemann, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Klinische Geriatrie, Facharzt für Neurologie, Verkehrsmedizin
Neue Therapie-Ideen gegen Alzheimer

Alzheimer - jeder kennt den Begriff, die wenigsten wissen jedoch, was sich dahinter verbirgt. Und auch die Wissenschaft ist sich dessen bislang nicht sicher, weshalb die Krankheit sich heute lediglich bremsen, nicht aber heilen lässt.

Weit verbreitet ist die Vermutung, dass Alzheimer durch die Ablagerungen eines Eiweißes namens "Amyloid" in den Zellzwischenräumen des Gehirns und den Blutgefäßen verursacht wird. Neuesten Studien zufolge bildet Amyloid als Bestandteil einer Schutzhülle um Nervenzellen herum einen natürlichen Bestandteil des Immunsystems im Gehirn. Die Ablagerungen der durch Enzyme geteilten Amyloid-Bruchstücke sind völlig normal - nur auf die Menge kommt es an.

Ablagerungen machen Blutgefäße brüchig

Je älter ein Mensch wird, desto länger braucht der Mikrokreislauf des Gehirns, um die Amyloid-Ablagerungen zu beseitigen. Man kann sich das wie ein Abwasserrohr vorstellen, durch das jede Nacht der Unrat des Tages fortgespült wird - mit auf Dauer sinkendem Wasserdruck. Das Problem: Je mehr Eiweißreste sich im Gehirn ablagern, desto brüchiger werden die Äderchen und Zellmembranen. Es kann zu kleinen Blutungen kommen.

Nicht nur eine Frage des Alters

Neuste Forschungsansätze gehen dem Verdacht nach, dass das Alzheimer-Risiko durch Immunreaktionen zusätzlich erhöht wird. Eine Überreaktion des Immunsystems könnte so zu vermehrter Amyloid-Bildung und in der Folge verstärkten Ablagerungen führen. Sollte sich dieser Ansatz bestätigen, wären Medikamente gegen Amyloid-Produktion oder eine gezielte Verlangsamung der Immunabwehr im Gehirn mögliche Therapieansätze gegen Alzheimer. Noch ist das Zukunftsmusik, aber die Wissenschaft ist in Bewegung.

Spezielle Untersuchungen des Nervenwassers erlauben es schon heute, den Amyloid-Gehalt zu bestimmen und bereits Jahre vor dem eigentlichen Ausbruch eine drohende Alzheimer-Krankheit zu diagnostizieren. Bevor sich das zerschnittene Amyloid im gesamten Gehirn ablagert, findet sich oft schon eine hohe Konzentration davon im Hippocampus, dem die Gedächtnisbildung steuernden Teil des Organs. Die Folge: der Hippocampus schrumpft. Auch dies ist bereits vor Krankheitsausbruch durch Volumetrie oder im MRT sichtbar.

Das genetische Risiko

Hohes Alter, Schlafstörungen, Diabetes, Bluthochdruck, zu hohe Cholesterinwerte und ein Sturz auf dem Kopf sind Faktoren, die eine Alzheimer-Erkrankung begünstigen. Aber einige wenige Menschen werden bereits mit einem hohen Alzheimer-Risiko geboren. Zwei von hundert Deutschen verfügen über eine doppelte Anlage des Eiweißes Apolipoprotein E (ApoE). Das Protein spielt beim Abtransport der Amyloid-Rückstände eine Rolle. Sein doppeltes Vorhandensein erhöht die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, signifikant. Betroffene zeigen häufig schon vor dem 60. Lebensjahr die ersten Symptome.

Therapie möglichst früh beginnen

Alle bislang erfolgversprechenden Versuche, Alzheimer medizinisch zu behandeln, haben eines gemeinsam: Sie wirken, wenn überhaupt, nur im Anfangsstadium der Krankheit. Eine Möglichkeit, die Amyloid-Produktion zu senken, ist die Hemmung molekularer Scheren, sogenannter Beta-Sekretasen.

Außerdem scheint es etwa möglich, den Abtransport der Amyloidbruchstücke mit Hilfe bestimmter Antikörper anzukurbeln, wenn die Therapie frühzeitig beginnt. Bei Patienten im fortgeschrittenen Stadium brachten Studien bislang keinen Erfolg. Erste Symptome sollten also sofort abgeklärt und nicht ignoriert werden.

Prof. Dr. med. Hans-Hermann Klünemann (2 Einträge)

 


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