Mehr als "Licht aus"
Bedeutung und Möglichkeiten von Energiesuffizienz in Gebäuden

Etwa 19 Mio. Wohngebäude mit ca. 40 Mio. Wohnungen und weitere ca. 3 Mio. Nichtwohngebäude wie Schulen, Supermärkte, Bürogebäude, Produktionsstätten usw. existieren in Deutschland. Und diese Gebäude benötigen Energie, sehr viel Energie sogar: mehr als ein Drittel unseres gesamten Energieverbrauchs Jahr für Jahr!

Dabei ist die Energie gemeint, die zum Betrieb der Gebäude aufgewendet werden muss. Das sind einerseits Wärme zur Beheizung und Warmwasserversorgung und andererseits Strom zur Beleuchtung und um Geräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen, (Heizungsumwälz)-Pumpen, PCs usw. zu betreiben.
Nicht darin enthalten ist Energie, die für irgendwelche Produktionsprozesse in Nichtwohngebäuden benötigt wird und die Energie, die zur Herstellung der Baustoffe, zur Errichtung und zur Entsorgung der Gebäude aufgewendet werden muss.

Energiesuffizienz - Energieeinsparung und Energieeffizienz - aus Klimaschutzgründen dringend geboten

Energieeinsparung bedeutet im einfachsten Fall Licht aus, wenn keiner im Raum ist. Aber es geht viel weiter, z.B. Wäscheleine statt Wäschetrockner, 21°C Raumtemperatur statt 23°C, oder angemessene Wohnraumgröße. 1998 lag die Wohnfläche pro Kopf im Schnitt noch bei 39 m², 2016 betrug sie bereits 46 m², eine Steigerung, die einen nicht unerheblichen Mehrverbrauch an Energie bedeutet und Einsparungen, die an anderer Stelle erzielt werden, wieder zunichte machen. Die meisten Einsparungen wurden in den letzten Jahren und Jahrzehnten durch Energieeffizienzmaßnahmen erzielt, also etwa indem ein Neubau nach geltender Energieeinsparverordnung EnEV oder sogar noch besserem Energiestandard gebaut wurde. Dabei ist das Passivhaus mittlerweile allgemein bekannt als ein Gebäude mit geringstem Energieverbrauch, ein sogeganntes Niedrigstenergiegebäude, auch hin und wieder als 1,5-Liter-Haus bezeichnet. Das heißt, es hat einen Heizenergieverbrauch von nur noch 1,5 Liter Öl, respektive 15 kWh pro m² (zum Vergleich: bei Altbauten kann der Energieverbrauch durchaus 30 Liter und mehr betragen). Davon gibt es mittlerweile etliche Hundert oder sogar schon Tausende in Deutschland und zwar als Wohn-, aber auch als Nichtwohngebäude. Dieser Standard steht nun kurz vor der Einführung. Wenn die neue Bundesregierung ihre Arbeit voll aufgenommen hat, wird es wohl an die Umsetzung einer entsprechenden EU-Richtlinie gehen, die die alte Regierung mit dem Entwurf eines neuen "Gebäudeenergiegesetzes" bereits begonnen hatte.

Ziel im Rahmen der Energiewende ist eine Reduktion der Treibhausgasemissionen bezogen auf das Basisjahr 1990 um 80 bis 95 Prozent bis zum Jahre 2050. Für den Gebäudesektor ist das kurzfristige Ziel bis 2020 ein um mindestens 20 Prozent reduzierter Wärmeverbrauch (dieses Ziel ist nicht mehr zu erreichen) und das langfristige bis 2050 ein um mindestens 80 Prozent reduzierter Primärenergieverbrauch. Das ist zu erreichen durch Effizienzmaßnahmen wie z.B. bessere Dämmungen, bessere Fenster, dichtere Gebäude (sinnvollerweise mit Lüftungsanlage) und durch Ersatz von Heizungsanlagen mit fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas durch regenerative Energien wie Holz, andere Biomasse, Solarthermie, Wärmepumpe in Kombination mit Photovoltaik usw..

Nicht nur dämmen: Die Kombi macht`s

Allein diese kurzen, sehr unvollständigen Auflistungen geben einen ersten Eindruck, wie viele Möglichkeiten heute zur Verfügung stehen. EnEV ist nicht gleichbedeutend mit dämmen, dämmen, dämmen, wie vielfach zu lesen und zu hören. Ganz im Gegenteil lässt die EnEV sehr viel Spielraum und es ist möglich, durch geschickte Kombinationen von Anlagentechnik und Gebäudehülle günstige Lösungen zu finden.

Das kann der Architekt oder der Statiker in der Regel nicht mehr einfach mit übernehmen, da das Thema sehr umfangreich und komplex geworden ist. Deshalb gibt es mittlerweile qualifizierte Experten, die sogenannten Energieeffizienz-Experten für Wohn- und Nichtwohngebäude. Solche Experten werden an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden in Amberg im Rahmen ihres Studiums ausgebildet. Viele machen auch am Institut für Energietechnik (IfE) GmbH der Hochschule Abschlussarbeiten im Bereich der Gebäudeenergieeffizienz und arbeiten am IfE als beratende Ingenieurinnen und Ingenieure und Energieeffizienzexperten.

Ein kleiner Ausblick zum Schluss:

Seit einiger Zeit gibt es auch schon sog. Plusenergiehäuser. Das sind Gebäude, die über ein Jahr mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Man spricht hier von bilanzieller Autarkie. Und die "Spitze des Eisbergs" sind dann Gebäude, die komplett autark sind, die also überhaupt keinen Anschluss mehr an ein Netz, z.B. Strom- und/oder Gasnetz, mehr benötigen und auch kein Öl oder Holz oder ähnliches. Das erste derartige Gebäude wurde als Testgebäude in den 90er Jahren am Fraunhofer Institut für Solare Energieforschung in Freiburg errichtet. 2016 wurde das erste derartige Mehrfamilienhaus in der Schweiz bezogen als "normales" Wohnhaus und hat sich im ersten Winter bestens bewährt.
Natürlich sind solche "experimentellen" Gebäude heute noch nicht wirtschaftlich, aber es zeigt, was möglich ist.



Institut für Energietechnik IfE GmbH an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden

Institut für Energietechnik IfE GmbH an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden

Beschreibung

Institut für Energietechnik
  • Wärme-/Kälte-/Arealstromnetze
  • Power-to-Gas/-Heat
  • Elektromobilität
  • Sanierungsmaßnahmen/Neubetrachtungen
  • Digitales Energiemanagement

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