Faszinierende Bilder aus dem Dünndarm

Von Dr. med. Kerstin Dobrikat

Die Kapselendoskopie als High-Tech Verfahren in der Gastroenterologie

Durch die Kapselendoskopie, die seit 2001 in Deutschland etabliert ist, wurde endlich auch der Dünndarm der Routinediagnostik zugänglich. Trotz vieler Fortschritte in der Entwicklung spezieller Endoskope und radiologischer Techniken war die Beurteilung der Oberfläche des mehrere Meter langen Abschnittes des Verdauungstraktes nur eingeschränkt und mit einem hohen Aufwand zu leisten. Durch die Kapselendoskopie ist es nun möglich geworden, schmerzfrei endoskopische Bilder aus dem Dünndarm zu erhalten.

Videokapsel auf Forschungsmission

Die Videokapsel, die den Verdauungstrakt passiert, ist ungefähr 26 Millimeter lang und elf Millimeter dick. Neben einer Kamera enthält sie LED Lampen zur Ausleuchtung der Darmschleimhaut, einen Sender zum Weiterleiten der Aufnahmen und Batterien. Die kleine Kamera liefert über einen Zeitraum von etwa elf Stunden insgesamt etwa 50.000 bis 60.000 Aufnahmen aus dem Darmlumen. Die neueste Kapselgeneration passt die Bildaufnahmefrequenz der Geschwindigkeit an, mit der sich die Kamerakapsel im Darm bewegt.

Bild: Martina Volkmann

Einfach und schmerzfrei

Die Vorteile der Kapselendoskopie liegen auf der Hand. Die Untersuchung verläuft in aller Regel einfach und schmerzfrei, es ist weder ein Beruhigungs- noch ein Kontrastmittel nötig. Strahlenbelastungen wie etwa bei Röntgenuntersuchungen treten nicht auf. Nach erfolgreicher Passage wird die Kapsel auf dem natürlichen Wege ausgeschieden.

Wann kommt die Kapselendoskopie zum Einsatz?

Diagnostik durch einfaches Hinunterschlucken einer Kamera - bei vielen Patienten ist diese Vorstellung mit dem Wunsch verbunden, auf Magen- und Darmspiegelungen durch ein Endoskop verzichten zu können. Das ist leider nicht der Fall. Die Kapselendoskopie kann die reale Endoskopie nicht vollständig ersetzen, sie ist ein rein diagnostisches Verfahren, welches zur Lokalisation und Beurteilung pathologischer Veränderungen im Dünndarmbereich dient. Es kann durch diese Kapsel nicht therapeutisch eingegriffen werden. Ärzte nutzen die Kapsel zum Beispiel bei einer Magen-Darm-Blutung, wenn die Blutungsquelle weder bei der Magenspiegelung noch bei der Darmspiegelung gefunden wurde. Die Ursache der Blutung wird dann im Dünndarm vermutet. Zunehmend setzen Ärzte die Videokapsel auch bei Verdacht auf chronisch entzündliche Darmerkrankungen (zum Beispiel dem Morbus Crohn) ein. Die Kapselendoskopie des Dickdarmes kommt nur in Ausnahmesituationen zum Einsatz, zum Beispiel, wenn eine konventionelle Koloskopie auf Grund von Kontraindikationen / Begleiterkrankungen nicht möglich ist, oder vom Patienten abgelehnt wird. Eine weitere Indikation besteht bei inkompletter Koloskopie, also wenn die Untersuchung des Dickdarmes mit einem Endoskop auf Grund der anatomischen Verhältnisse nicht vollständig durchführbar ist.

Harmlos oder Risiko - was erwartet den Patienten?

Um klare Bilder zu erhalten, muss auch der Dünndarm vor Passage der kleinen Kamera gesäubert werden. Das Schlucken der Videokapsel bereitet einigen Patienten Schwierigkeiten. Abhilfe kann eine endoskopische Platzierung der Kapsel in den Magen schaffen, die unter Sedierung durchführbar ist. Untersuchungen aus dem Jahr 2016 zeigen, dass es nur extrem selten zu einem Steckenbleiben der Kapsel kommt, zum Beispiel im Bereich von Verengungen durch vorhergehende Operationen oder Entzündungen. Bei Verdacht auf eine Einengung gibt es die Möglichkeit, vor der eigentlichen Kapselendoskopie mit einer Versuchskapsel (Patency Kapsel) die Durchgängigkeit des Magen-Darm-Traktes zu testen. Die Kapselendoskopie ist eine sehr gut verträgliche und komplikationsarme Methode, die die Möglichkeiten der Untersuchung des Verdauungstraktes noch einmal deutlich erweitert hat.



Dr. Dobrikat Gastroenterologie im Zentrum

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