Von Prof. Dr. med. Jan Kiefer
Besser Hören durch Mittelohr-OP und aktive Hörimplantate

Schwerhörigkeit macht einsam und ist gefährlich. Die Kommunikation mit den Mitmenschen ist durch nicht vorhandenes oder gemindertes Hörvermögen gestört, Betroffene fühlen sich dadurch leicht isoliert. Im Straßenverkehr nahen Autos und selbst LKW unbemerkt heran, das Unfallrisiko ist dadurch erhöht. Und wie traurig ist ein Leben ohne Musik? Zum Glück gibt es in der modernen HNO-Medizin Verfahren, die Menschen mit Hörstörungen wieder mehr Lebensqualität zurückgeben können.

Immer mehr Schwerhörige

Durch das steigende Alter der Durchschnittsbevölkerung steigt die Zahl der Schwerhörigen stetig an. Jüngere Patienten haben oft Hörschäden aufgrund von zu großer Lärmbelastung, einer chronischen Entzündung des Mittelohrs oder von Unfällen. Es gibt aber auch genetisch bedingte Schwerhörigkeit, die bereits im Kindesalter auftritt. Bei älteren Menschen kommt es auch durch Erkrankungen des Stoffwechsels oder anderen Erkrankungen zu einer Schädigung des Gehörs. Der erste therapeutische Schritt ist meist die Versorgung mit einem Hörgerät, aber nicht immer ist das möglich oder ausreichend. Kein Grund, die Hoffnung aufzugeben, denn die Mittelohrchirurgie und moderne Hörimplantate können das Hörvermögen oft (wieder) herstellen.

Das Mittelohr heilen

Ist das Mittelohr oft entzündet oder sind die Mittelohrknochen geschädigt, kann der Schall im Ohr nicht richtig weitergeleitet werden. Bei der sogenannten Tympanoplastik werden Entzündungen im Mittelohr minimal- invasiv saniert, defekte Gehörknöchelchen durch feinste Titanimplantate ersetzt und ein Trommelfell mit körpereigenem Material repariert. Diese Techniken erlauben meist eine sehr gute Wiederherstellung der normalen Hörfunktion des Ohres.

Implantierte Hörhilfen

Manchmal reichen die klassischen Techniken der Tympanoplastik allein nicht aus, um das Hörvermögen wiederherzustellen. Doch heute lassen sich Hörgeräte operativ in das Ohr integrieren – zum Beispiel sogenannte Knochenleitungsimplantate oder aktive Mittelohrimplantate. Natürliches Gewebe und moderne Technik übernehmen dann gemeinsam die Schallübertragung.

Bonebridge und Soundbridge: Eine Brücke für den Schall

In unserer Fachklinik gern verwendete Implantate sind die Bonebridge und die Soundbridge der Firma MEDEL. Im Namen Bonebridge (englisch für Knochenbrücke) klingt schon an, wie das System funktioniert. Das kleine, unter der Haut verborgene Implantat leitet den Schall über den Knochen direkt zum Innenohr – es ist also quasi eine Brücke für Töne. Die Soundbridge wird noch näher an das Innenohr herangebracht und koppelt den Schall über noch vorhandene Gehörknöchelchen oder durch direkten Kontakt an die Innenohrflüssigkeit an. Indikationen für eine Bone- oder Soundbridge sind neben dem gestörten Schalltransport eine Kombination aus Innenohrschaden und Schallleitungsschwerhörigkeit, eine Fehlbildung des Mittelohrs oder Gehörgangs, eine chronische Mittelohrentzündung oder eine zum Beispiel durch einen Hörsturz hervorgerufene Ertaubung auf einem Ohr. Ob die Methode sich eignet, ist letztlich jedoch bei jedem Patienten eine Einzelfallentscheidung.

Implantate für das Innenohr

Menschen, die kaum noch etwas hören oder taub sind, kann oft mit einem sogenannten Cochlea-Implantat geholfen werden. Wir verfügen in unserer Fachklinik über jahrelange Erfahrung bei der Implantation dieser speziellen Innenohrprothesen, die aus zwei Komponenten bestehen: dem Sprachprozessor und dem Implantat. Wir fügen das Implantat versteckt hinter dem Ohr fest in den Schädelknochen ein, es ist vollständig von der intakten Haut bedeckt. Von hier führt ein schmales Kabel durch eine Öffnung im Innenohr bis in die Hörschnecke, die Cochlea. Dort gibt das Implantat kleinste elektrische Impulse an den Hörnerv ab, der dadurch stimuliert wird und dem Gehirn wieder Hörsignale zuleitet. Der Sprachprozessor, der die Schallwellen empfängt, wird äußerlich getragen und kann auf Wunsch abgelegt werden.

Wie das Cochlea-Implantat funktioniert

Die Schallwellen erreichen zuerst das Mikrofon des Sprachprozessors. Dieser leitet sie als digitale Signale über eine Sendespule an das Implantat weiter. Dort werden aus den Signalen elektrische Impulse gemacht, die durch das kleine Kabel schließlich die Hörschnecke erreichen, wo sie die Fasern der Hörnerven aktivieren. Die Hörnerven wiederum geben die Informationen an das Gehirn weiter – der Träger des Implantats kann hören.

Das Sprechen und Verstehen (wieder) lernen

Hören ist allerdings noch nicht gleichbedeutend mit Sprechen und Verstehen. Erwachsene müssen zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal gehört haben. Heute können Implantate jedoch auch schon bei hochgradig schwerhörigen Patienten eingesetzt werden oder Menschen, die auf einer Seite das Gehör verloren haben. Bei tauben Kindern gilt: So früh wie möglich. Vor allem, wenn Kleinkinder schon vor dem zweiten Geburtstag ein Cochlea-Gerät implantiert bekommen, besteht eine große Chance auf Erfolg – das heißt, auf eine normale, altersangemessene Sprachentwicklung. Je später der Eingriff erfolgt, desto schwerer werden sich die Kinder damit tun, die empfangenen Höreindrücke einzuordnen und für die eigene Kommunikation zu nutzen.

Mit der Implantation des Cochlea-Systems ist es leider nicht getan. Das Gehirn und das Ohr müssen die neue Art zu hören erst lernen, und das Gerät muss perfekt auf seinen Träger abgestimmt werden. Das dauert in der Regel ein bis zwei Jahre. Unterstützt werden Sie in dieser Zeit von uns Fachärzten sowie spezialisierten Reha-Einrichtungen.

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