Rückenschmerzen und Haltungsschäden als Volkskrankheit?

Zwischen 2006 und 2016 stieg die Anzahl an Büroarbeitsplätzen in Deutschland um knapp 16 Prozent. Mit fortschreitender Digitalisierung wird diese Zahl von aktuell rund 17,6 Millionen weiter wachsen. Derzeit verbringen erwachsene Menschen mehr als die Hälfte ihrer Wachzeit auf Sofas, Stühlen oder Sesseln. Im Schnitt sitzen wir circa 9,3 Stunden am Tag und schlafen durchschnittlich circa 7,7 Stunden. Wer dazu noch mit Auto, Bahn oder Bus zur Arbeit fährt, eine sitzende Tätigkeit ausübt und sich im Anschluss erschöpft vor dem Fernseher „entspannt“, erreicht dabei schnell 14 Stunden Sitzzeit oder mehr.

Welche Folgen hat dies für unsere Gesundheit?

Der menschliche Körper wurde circa zwei Millionen Jahre durch Evolution zu dem geformt, was er heute ist. Ein individuelles Meisterwerk, welches sich vor allem durch den aufrechten Gang auszeichnet und dessen vielfältige Funktionen im Gehen, Laufen und Rennen bestehen. Die Anpassung des Körpers ist ein langsamer Prozess, welcher länger dauert, als es die momentane moderne Lebensweise vorgibt.

Unser Körper hat im aufrechten Stand durch ein ausgeklügeltes myofasziales System und eine Vielzahl an Gleichgewichtsmechanismen den Drang, entgegen der Schwerkraft aufrecht zu stehen. Um das zu ermöglichen, ist ein perfektes Zusammenspiel von ventraler (vorderer) und dorsaler (rückwärtiger) Muskulatur unerlässlich. Die Funktion formt das Organ – dies bedeutet in diesem Fall, dass ständig angenäherte Muskeln dazu neigen, unelastisch zu werden und sich zu „verkürzen“. Häufig angestrengte Muskeln werden kräftiger und nach andauernder Belastung überlastet.

Bei einem normalen Haltungstyp verläuft die Schwerpunktlinie im Stand grob von der Seite betrachtet etwas vor dem zweiten Halswirbel (vor dem Dens axis), durch die Wirbelkörper C3-C5, den Wirbelkörper L3, die Mitte des Hüftgelenks, die Mitte des Kniegelenks und die Vorderkante des oberen Sprunggelenks. In dieser Position ist relativ wenig Kraft notwendig, um den Körper aufrecht zu halten, da die verschiedenen Gewebe aufeinander balancieren.

Was also passiert, wenn ein eigentlich für das Stehen geformter Körper plötzlich die meiste Zeit in gebeugter Position verbringt?

Die Strukturen der Vorderseite des Körpers, welche durch das lange Sitzen ständig in angenäherter Position verharren, neigen dazu, ihre Elastizität zu verlieren und sich zu „verkürzen“. Steht man nun wieder aufrecht, ist der Körperschwerpunkt etwas aus der Balance geraten. Die ventralen Strukturen ziehen den Kopf und die Brustwirbelsäule nach vorne und die Hüftgelenke werden leicht nach vorne gebeugt.

Aufgrund der Vorwärtsbewegung des Kopfes und dem daraus resultierenden längeren Hebelverhältnis zur Wirbelsäule, wirken enorme Kräfte auf die rückwärtige Muskulatur. Diese wird folglich zum permanenten Agieren gezwungen, um den Körper aufrecht in Balance zu halten. Ein ständig angespannter und arbeitender Muskel beginnt irgendwann zu schmerzen. Diese Schmerzen sind fast jedem bekannt. Erfahrungsgemäß ist es aufgrund dieses Denkansatzes deutlich sinnvoller und nachhaltiger, bei haltungsbedingten Rückenschmerzen erst die ventralen Strukturen zu entspannen, zu mobilisieren und zu dehnen, bevor man beginnt, den Rücken zu kräftigen.

Wieso sollte auch ein ständig unter Spannung stehender Muskel gestärkt werden? Ist das nicht schon Training genug?

In der Therapie könnten Behandlungsmethoden wie beispielsweise Manuelle Therapie, krankengymnastische Dehnübungen und fasziale Behandlungen eines dafür ausgebildeten Therapeuten hilfreich sein. Rückenschmerzen sind bei jedem Patienten individuell und sehr unterschiedlich. Nicht immer sind die sitzende Haltung und die Verkürzung der Vorderseite die Ursache. Es sollte immer von einem gut ausgebildeten Physiotherapeuten oder Arzt untersucht werden, um andere Ursachen auszuschließen. Diese Betrachtungsweise soll lediglich etwas zum Nachdenken anregen, um die allgemeine Meinung zur Entstehung der Rückenschmerzen etwas zu hinterfragen.

Markus Frank (2 Einträge)

 


Physiotherapeut Markus Frank

Physiotherapeut Markus Frank

Beschreibung

Physiotherapeut und Heilpraktiker

  • Manuelle Therapie und Krankengymnastik
  • Manuelle Lymphdrainage
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  • Sportphysiotherapie
  • Nerven- und Gefäßmanipulation

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