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von Priv.-Doz. Dr. med. Philipp von Roth
Einflussfaktoren für eine erfolgreiche Knieprothesenimplantation
Priv.-Doz. Dr. med. Philipp von Roth
Das Knie ist ein hoch komplexes Gelenk und wird schon durch Alltagsbelastungen täglich Höchstbelastungen ausgesetzt. Bei fortgeschrittenem Kniegelenkverschleiß machen oft Schmerzen und Bewegungseinschränkungen diese Belastungen sehr beschwerlich bis unmöglich. Falls die nicht-operative Behandlungen über sechs Monate hinweg unzureichend Abhilfe schafft, kann die Möglichkeit einer Kunstgelenkimplantation besprochen werden.
Wenn sich der Patient, nach eingehender Beratung, gemeinsam mit dem behandelnden Arzt für die Implantation einer Knieprothese entschieden hat, kommt drei Punkten eine besondere Bedeutung zu:
- Spezialisierung und Erfahrung des Operateurs
- Wahl des Implantates und Optimierung der Abläufe in der Operation
- Lückenlose postoperative Rehabilitation und der Wille des Patienten
Spezialisierung und Erfahrung des Operateurs
Das Fundament für eine gute Funktion und ein langes Überleben der Endoprothese ist laut aktueller wissenschaftlicher Literatur eine hohe Spezialisierung und Erfahrung des Operateurs. Das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) überwacht die in Deutschland eingesetzten Knie- und Hüftprothesen. Die Daten des Registers zeigen eindeutig, dass Endoprothesen von Patienten eines hochspezialisierten Operateurs signifikant seltener versagen und länger halten. Patienten, die sich von einem Arzt/einer Ärztin operieren lassen, der bzw. die diesen Eingriff selten durchführt, haben eine mehr als doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, sich in den ersten sechs Jahren nach der Erstoperation einer Wechseloperation unterziehen zu müssen! Vor einem Aufklärungsgespräch sollten sich die Patienten erkundigen, wie viele Knieprothesenimplantationen der behandelnde Arzt bzw. die behandelnde Ärztin pro Jahr selbstständig durchführen.
Wahl des Implantates und Optimierung der Abläufe in der Operation
Die Entwicklung der Endoprothetik in den letzten 50 Jahren ist eine Erfolgsgeschichte seltenen Ausmaßes. Neben der Operationstechnik haben sich auch die Materialien und das Prothesendesign rapide weiterentwickelt. Jedoch konnten nicht alle der sogenannten „Innovationen“ die vielversprechenden Erwartungen halten. Wie auch die Ende 2018 veröffentlichten „Implant files“ zeigten, stellen einige der vermeintlich besseren und neueren – aber schlechter untersuchten – Implantate ein hohes Risiko für die Patienten dar. Daher sollten Patienten den Operateur aktiv nach den Langzeithaltbarkeitsdaten der verwendeten Prothese fragen und sich nur Prothesen implantieren lassen, die den höchsten Ansprüchen an Halt- und Belastbarkeit sowie Funktion standhalten.
Im Gegensatz zum künstlichen Hüftgelenk haben Patienten in der ersten Phase nach einer Knieprothesenoperation häufig mehr Schmerzen. Das konsequente Umsetzen der neuesten Schmerztherapieregime kann die Beschwerden drastisch reduzieren. Durch den Einsatz von speziellen Medikamenten im Gelenk, am Ende der Operation, kann der Blutverlust nach neuesten wissenschaftlichen Ergebnissen deutlich reduziert werden und Infektionen können verhindert werden. Dies vermindert die Kreislaufbelastung und ermöglicht dadurch die schnelle Mobilisation des Patienten nach der Operation.
Lückenlose postoperative Rehabilitation und der Wille des Patienten
Fünfzig Prozent des Behandlungserfolges einer Knieprothesenoperation stecken in der postoperativen Rehabilitation. Hierfür spielt eine physiotherapeutische Beübung des Kniegelenkes nach der Operation eine entscheidende Rolle, um eine Vernarbung des Gelenkes, die unmittelbar nach der Operation einsetzen kann, zu vermeiden. Von hoher Bedeutung ist ein individuell auf den Patienten abgestimmter Behandlungsplan. Meist wird völlig ausgeblendet, dass sich die Patienten durch die Schmerzen vor der Operation über Jahre hinweg schonen mussten. Die Folge ist, dass neben dem verschlissenen Gelenk auch die Muskeln und Sehnen stark gelitten haben. Eine schnelle Rückkehr ins Alltagsleben und zur Sportfähigkeit hängt vom Willen des Patienten ab, die über Jahre hinweg geschwächten und verkürzten Muskeln und Sehnen wieder zu trainieren.
Über den Autor:
Priv.-Doz. Dr. med. Philipp von Roth hat an der Charité in Berlin habilitiert und arbeitet seit 2018 im sporthopaedicum Straubing und Regensburg. Er hat sich auf den Einsatz und Wechsel von künstlichen Kniegelenken spezialisiert und gilt national und international als ein anerkannter Experte auf diesem Gebiet. Er ist Vorstandsmitglied der Deutschen Kniegesellschaft und hat bereits über 7000 Knie-Teil- und Vollprothesen selbst implantiert. Durch die hohe Anzahl implantierter Prothesen ist er von der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik als „Master-Knieendoprothetik“ zertifiziert.

